Wie beeinflusst Diabetes die Zähne und das Zahnfleisch?
Eine
unangenehme Begleiterscheinung des Diabetes können schlechte Zähne und
Zahnfleischerkrankungen sein. Bei längerfristig erhöhten Blutzuckerwerten ist
die Blutversorgung am Zahnfleisch herabgesetzt. Dadurch kommt es zur
Unterversorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen. Dies wiederum führt zu einer
Abnahme der Widerstandsfähigkeit gegenüber Bakterien, die in die Schleimhaut
eindringen und zur Paradontitis führen können.
Bei Paradontitis, ist der Halteapparat rund um den Zahn durch bakteriellen
Zahnbelag infiziert. Am Anfang steht die Entzündung des Zahnfleisches
(Gingivitis). Unbehandelt kann diese später auf Wurzelhaut, Zement und
Kieferknochen übergreifen– bis hin zum Ausfallen des Zahnes als Spätfolge.
Chronisch erhöhter Blutzucker kann die Durchblutung des Zahnhalteapparates
verschlechtern und gleichzeitig begünstigt schlechte Blutzuckereinstellung, dass
sich Infektionen ausbreiten.
Auch die Speichelproduktion ist bei hohen
Blutzuckern durch den allgemeinen Flüssigkeitsmangel im Körper herabgesetzt.
Dadurch werden die Zähne nicht mehr ausreichend mit Mineralstoffen versorgt.
Gleichzeitig können die durch die Nahrungsaufnahme entstehenden Säuren nicht
mehr neutralisiert werden und die Zähne bzw. den Zahnschmelz angreifen. Im
Speichel jedoch sind eine Vielzahl von Mineralsalzen gelöst, die ständig dafür
sorgen, dass schon kleinste "Entkalkungen" des Zahnschmelzes wieder "repariert"
werden.
Zahnfleischrückgang kann bei Kindern mit Diabetes früher
beginnen als bislang bekannt. Das ergab eine aktuelle Untersuchung des Columbia
University Medical Centers. Während man schon länger weiß, dass Diabetes und
Erkrankungen des Zahnbettes zusammenhängen, nahm man bislang an, dass der
Zahnfleischschwund wesentlich später beginnt.
Das Team um Studienleiter
Ira Lamster untersuchte 182 Kindern und Jugendlichen mit Diabetes im Alter
zwischen 6 und 18 Jahren auf Karies und Paradontitis sowie 160 Kontrollpersonen
ohne Diabetes. Die Kinder mit Diabetes hatten signifikant mehr Zahnbelag und
entzündetes Zahnfleisch als die Kinder ohne Diabetes. In dieser Gruppe
korrelierte der BMI signifikant mit Rückgang von Bindegewebe und Knochen, nicht
aber Diabetesdauer oder HbA1c. „Unsere Untersuchung illustriert, dass Ansätze
zur Verhinderung und Behandlung von periodontalen Krankheiten als Standard in
der Behandlung von jungen Patienten mit Diabetes erwogen werden sollten“. In
punkto Karies zeigte die in Diabetes Care veröffentlichte Arbeit keinen
Unterschied. Es ist zu bemerken, dass Diabetiker die eine ausgeglichene
Ernährung und eine gute Stoffwechseleinstellung haben, keine besondere
Zahnbeschwerden haben.
Wie können Sie sich schützen?
- Nehmen Sie sich Zeit für Ihre tägliche Zahnpflege. Putzen Sie mindestens zwei mal täglich, morgens nach dem Frühstück und abends vor dem Schlafengehen,
gründlich Ihre Zähne. Ob Sie eine elektrische oder eine „normale“ Zahnbürste
benutzen, spielt nur eine untergeordnete Rolle.
- Zahnpasta mit zugesetztem Fluor härtet den Zahnschmelz und beugt so Karies
vor.
- Säubern Sie die Zahnzwischenräume mit Zahnseide.
- Mundspüllösungen können helfen, die schädlichen Bakterien zu bekämpfen.
- Eine regelmäßige Fluorbehandlung beim Zahnarzt kann den Zahnschmelz härten
und so vor Karies schützen.
Wann und wie oft sollten Sie zum Zahnarzt gehen?
Wenn Sie eine Zahnfleischentzündung bemerken, gehen Sie am besten sofort
zum Zahnarzt. Das erste Anzeichen ist Zahnfleischbluten, zusätzlich können
Schwellung und Rötung des betroffenen Zahnfleischabschnitts auftreten. Auch
Schmerzen beim Essen, wenn feste Nahrungsbestandteile die entzündeten Areale
berühren, sind möglich. Aber selbst wenn Sie keine Beschwerden haben, sollten
Sie zweimal pro Jahr zur Kontrolle gehen!
Was ist noch zu
beachten?
Weisen Sie den Zahnarzt auf Ihren Diabetes hin. Auch, wenn Zähne gezogen
werden müssen, ist es wichtig, darauf hinzuweisen, dass Sie z. B. bei einem Typ
1-Diabetes nicht uneingeschränkt lange nüchtern bleiben können.
Ihr
FRENKENKLINIK Team
Quelle: Lalla E, Cheng B, Ahantanu L et al. Periodontal Changes in Children and Adolescent With Diabetes. Diabetes Care 2006; 29: 295-299 Kirsten Lindloff, Deutsche Diabetes-Klinik des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, Leibniz-Zentrum für Diabetes-Forschung © diabetes-world.net 24.11.2005 www.diabetes-world.net/de/55130